Bottega Veneta und Kwangho Lee: Ein perfektes Match
Im Gespräch mit dem in Seoul lebenden Designer: Wie er Bottega Venetas ikonisches Intrecciato in eine architektonische Installation verwandelte.
Bottega Veneta und Kwangho Lee: Ein perfektes Match
Im Gespräch mit dem in Seoul lebenden Designer: Wie er Bottega Venetas ikonisches Intrecciato in eine architektonische Installation verwandelte.
Kategorisierungen funktionieren bei Kwangho Lee schlicht nicht. Sein Werk, das von Skulptur über Design bis hin zu Materialexperimenten reicht, lässt sich keiner einzigen Disziplin eindeutig zuordnen – also bewegt er sich mühelos zwischen ihnen. So einfach ist das.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass es ihm an einer klaren Ästhetik oder einem roten Faden fehlt. Vor allem das Flechten bildet die Grundlage vieler seiner Arbeiten – und steht im Mittelpunkt von „Lightful“, seiner neuesten Installation für Bottega Veneta, die während der Milan Design Week präsentiert wurde.
Nach seinem Studium in Metal Art & Design an der Hongik University begannen Lees Projekte, alles von Industriedraht bis zu organischen Fasern einzubeziehen – und trieben vertraute Techniken immer wieder in unerwartete, experimentelle Richtungen.
Bei Bottega Veneta richtet sich diese experimentelle Denkweise auf Leder – konkret auf das ikonische Intrecciato der Marke.
„Ich verspürte ein starkes Bedürfnis, selbstbewusster aufzutreten“, sagt er. „Ich habe meine künstlerische Identität immer über die Technik des Flechtens definiert – sie ist das Medium, durch das ich meine Gedanken und mein ganzes Dasein vermittle.“
Die Installation besteht aus einer Serie schwebender, geflochtener Formen, die in Maßstab und Dichte variieren. Einige wirken locker und offen, mit Strängen, die sich nach außen ausdehnen; andere sind kompakter und bilden schwerere, stärker strukturierte Volumen. Statt einen einzelnen Fokus zu setzen, entfaltet sich die Arbeit im gesamten Raum.
„Für diese Zusammenarbeit ging es nicht einfach darum, ein fertiges Werk in den Raum zu bringen“, erklärt Lee. „Es erforderte ein tiefes Verständnis sowohl für die Kollaboration selbst als auch für den physischen Raum.“
Zwar wurde das Grundkonzept im Vorfeld entwickelt, doch die endgültige Komposition entstand vor Ort. Lee beschreibt den Prozess als einen aus „Experiment und Dialog“: ein direktes Reagieren auf die Architektur des Stores und ein fortlaufendes Anpassen der Arbeit in Echtzeit. „Die eigentliche Vollendung meiner Arbeit geschieht tatsächlich erst vor Ort – mit den Menschen“, fügt er hinzu.
Der Titel der Installation wiederum verweist darauf, dass Licht eine zentrale Rolle für ihre Wahrnehmung spielt. Schatten und Lichtakzente verändern die vermeintliche Dichte und den Maßstab jedes Elements, während das natürliche Licht im Laufe des Tages ihr Erscheinungsbild immer wieder neu definiert.
„Lightful“ setzt die laufende Kollaboration zwischen Lee und Bottega Veneta fort. Es ist bereits ihr drittes gemeinsames Projekt, nach früheren Arbeiten, die Runway-Elemente und die Teilnahme an der Ausstellung „Weaving the World“ in Seoul umfassten. Zur Vorbereitung besuchte Lee das Atelier der Marke in Montebello Vicentino und gewann dort einen noch direkteren Einblick in die Herstellungsprozesse und das Handwerk.
In einer Welt, die von erzwungenen Kooperationen überflutet ist, spürt man deutlich, dass Lee tatsächlich Zeit mit der Marke verbracht hat. „Lightful“ ist unverkennbar ein Werk von Lee, bleibt aber zugleich fest in der technischen Präzision verankert, die man mit dem Haus verbindet. Das Ergebnis ist ein fein austariertes Gleichgewicht zwischen Experiment und Kontrolle, bei dem traditionelle Techniken weiterentwickelt statt ersetzt werden.
Schließlich lädt er die Besucherin und den Besucher ein, zum dritten Teil der Kollaboration zu werden: „Anstatt versteckte Details einzubauen, die es zu entschlüsseln gilt“, sagt Lee, „möchte ich, dass meine Arbeit als Katalysator wirkt. Menschen sollen diesen geflochtenen Formen begegnen und dabei etwas empfinden, das ganz ihnen selbst gehört.“


























