Winzige Michelangelo-Fußskizze sprengt Rekorde: für 27,2 Millionen US‑Dollar verkauft
Eine „verschollene“ Rötelstudie für die Sixtinische Kapelle – entdeckt über eine Online-Einreichung – entfachte bei Christie’s einen 45‑minütigen Bieterkrieg.
Zusammenfassung
- Eine bislang unbekannte Zeichnung von Michelangelo ist bei Christie’s in New York für 27,2 Millionen US‑Dollar versteigert worden und hat damit einen neuen Auktionsrekord für den Künstler aufgestellt.
- Die Zeichnung, eine Fußstudie für die Libyan Sibyl an der Decke der Sixtinischen Kapelle, war ursprünglich lediglich auf 1,5 bis 2 Millionen US‑Dollar geschätzt worden.
- Aufgetaucht ist das Werk erst, als der Besitzer ein Foto im Online‑Schätzportal von Christie’s hochlud – ohne um seine wahre Herkunft zu wissen. Es ist die einzige bekannte Studie für die Sixtinische Kapelle, die sich noch in Privatbesitz befindet.
Für eine spektakuläre Sensation in der Kunstwelt sorgte eine handtellergroße Fußskizze des Renaissance‑Meisters Michelangelo, die alle Auktionserwartungen pulverisierte. Die Zeichnung mit dem Titel Study of a Right Foot, wurde am 5. Februar dieses Monats bei Christie’s in New York für atemberaubende 27,2 Millionen US‑Dollar verkauft. Ursprünglich auf 1,5 bis 2 Millionen US‑Dollar taxiert, entfachte das Blatt einen erbitterten, 45‑minütigen Bieterkrieg und erzielte schließlich nahezu das 20‑Fache der unteren Schätzung – ein neuer Weltrekord für eine Zeichnung von Michelangelo auf dem Auktionsmarkt.
Die Geschichte der Skizze ist mindestens so bemerkenswert wie ihr Preis. Das Werk tauchte erst kürzlich auf, als ein ahnungsloser Besitzer von der US‑Westküste ein Foto der Zeichnung in das Online‑Schätzportal von Christie’s hochlud. Das Blatt war seit Jahrhunderten im Besitz seiner Familie, geerbt von einer Großmutter, die es als „Kuriosität“ aufbewahrte. Recherchen der Expert:innen von Christie’s ergaben, dass sich die Provenienz der Zeichnung bis in die späten 1700er‑Jahre zurückverfolgen lässt, als sie Teil der Sammlung des Schweizer Diplomaten Armand Louis de Mestral de Saint‑Saphorin war.
Bei dem Werk handelt es sich um eine seltene Rötelstudie für die Libyan Sibyl, eine der monumentalen Figuren, die die Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatikan schmücken. Expert:innen identifizierten die Skizze als vorbereitende Zeichnung, entstanden um 1511/12. Dargestellt ist der rechte Fuß der Figur, mit angehobener Ferse und aufgestemmten Zehen – ein präzises anatomisches Detail, das für die verdrehte, das Gewicht tragende Pose der Sibylle unerlässlich ist.
Der Verkaufspreis von 27,2 Millionen US‑Dollar übertrifft den bisherigen Auktionsrekord für ein Werk Michelangelos – eine Aktstudie, die 2022 in Paris für 24,3 Millionen US‑Dollar versteigert wurde. „In den über 23 Jahren, in denen ich in dieser Branche tätig bin, durfte ich viele wunderbare Momente mit Old Masters erleben, aber heute wurde alles übertroffen“, sagte Andrew Fletcher, Christie’s Global Head of Old Masters. Da der Großteil der rund 600 erhaltenen Zeichnungen Michelangelos in Museen verwahrt wird, war diese Auktion womöglich die letzte Chance für eine Privatperson, eine direkte Verbindung zur Sixtinischen Kapelle zu erwerben.
Der Käufer bleibt anonym, doch der Verkauf unterstreicht den unstillbaren Hunger des Marktes nach Meisterwerken in Museumsqualität. Die Skizze, einst ein vergessenes Familienerbstück, gilt nun als eines der wertvollsten Werke auf Papier der Kunstgeschichte.



















