Maison Mihara Yasuhiro FW26 findet Klarheit im „Eternal Now“
Die Looks verkörpern Zerbrechlichkeit und Widerstandskraft durch bewusst eingesetzte Verzerrung und Unregelmäßigkeit.
Zusammenfassung
- Maison Mihara Yasuhiro FW26 „Eternal Now“ erforscht das Älterwerden, Erinnerung und verschwommene Wahrnehmung anhand poetischer Inspirationsbilder
- Verschiebung und Dissonanz prägen die Silhouetten, während voluminöse Outerwear und rekonstruierte Strickteile eine surreale Verzerrung heraufbeschwören
- Ein Motiv ewiger Ruhe steht im Kontrast zur Vorwärtsbewegung und spiegelt Zerbrechlichkeit, Widerstandskraft und Hoffnung wider
Präsentiert während der Paris Fashion Week, entwirft die Herbst/Winter-2026-Kollektion von Maison Mihara Yasuhiro mit dem Titel „ETERNAL NOW“ eine zutiefst introspektive Vision von Zeit, Erinnerung und Wahrnehmung, übersetzt in sartoriale Codes. Genährt von den persönlichen Reflexionen des Designers über das Älterwerden und einer traumgleichen Begegnung im Zug, untersucht die Kollektion jenen Moment, in dem die Welt ihre scharfen Konturen verliert und beginnt, „sanft zu zerschmelzen“. Dieses Gefühl der Desorientierung – eingefangen in Miharas poetischen Notizen darüber, im Dämmerzustand eine Station zu verpassen – fungiert als emotionaler Anker der Saison und rahmt Mode als Gefäß für Erinnerungsfragmente, die lebhaft bleiben, selbst wenn Blick und Umgebung verschwimmen.
Die ästhetische Übersetzung dieses Themas zeigt sich in einem virtuosen Einsatz von „Verschiebung und Dissonanz“. Die Kollektion umfasst Stücke, die verzerrt oder leicht aus dem Lot geraten wirken und so das körperliche Empfinden einer Welt nachzeichnen, die ihre Konturen verliert. Zu den Keypieces zählen voluminöse Outerwear und Strick, die Miharas charakteristische Rekonstruktionstechniken nutzen, um Silhouetten zu schaffen, die zugleich vertraut und surreal erscheinen. Durch das Verschmelzen disparater Elemente und bewusst gesetzter Konstruktionsfehler spiegeln die Entwürfe eine „zarte Stärke“, wie sie in Alltagsobjekten liegt – neu betrachtet durch das Prisma des Älterwerdens, in dem Dinge verschwimmen und doch als dauerhafte Fragmente unauslöschlich im Gedächtnis bleiben.
Ein Gefühl „ewiger Stille“ durchzieht die Kollektion und steht im Kontrast zur unaufhaltsamen Vorwärtsbewegung des Zugs, der der Show als Inspiration dient. Stoffe und Schnitte evozieren das Bild von unbewegtem Wasser in einem Becken, in dem Angst und Einsamkeit zwar spürbar, aber gehalten sind. Dieser konstruktive Ansatz deutet auf ein Sich-Einlassen auf das Unbekannte, bei dem das Ziel nicht länger im Fokus steht und der Akt des Voranschreitens an einem „unsichtbaren Ort“ zur ultimativen Form von Hoffnung wird. Indem Mihara Yasuhiro Verschiebung und Unregelmäßigkeit umarmt, entsteht eine Garderobe, die die menschliche Erfahrung von Älterwerden und Erinnerung spiegelt – verletzlich und doch widerstandsfähig, verschwommen und doch eindringlich klar.



















