Mehr als nur ein Rap-Konzert: Tyler, the Creators „CHROMAKOPIA“-Welttournee feiert Kunst und Vermächtnis

Bei seinem Manila-Debüt präsentierte er an zwei Abenden eine Setlist, die seine gesamte Karriere umspannt.

Musik
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Rund um das Araneta Coliseum in Manila konnte man sofort erkennen, wer den ersten Abend von Tyler, the Creator,CHROMAKOPIA Welttournee besuchte. Farbabgestimmte Motive, inspiriert von seinen Alben wurden entsprechend kombiniert – von Ivy-Style über flauschige Pieces bis hin zu Anzügen. Schnell wurde klar, dass das für das Publikum weit mehr als nur ein Rap-Konzert war: Neben seinem allerersten Auftritt auf den Philippinen war es ihre Art, einem der einflussreichsten Künstler unserer Zeit Tribut zu zollen. Zugleich war es ein visuelles Zeugnis von Tylers kreativer Entwicklung – ihn in eine Schublade zu stecken, ist schlicht unmöglich.

Eröffnet wurde der Abend von Paris Texas, die – wenig überraschend – mit derselben brennenden Energie begrüßt wurden, die sie selbst verströmten. Das Duo lieferte einen Mix aus Tracks verschiedener Releases, darunter „girls like drugs“, „PANIC!!!“ und „FORCE OF HABIT“, und bescherte alten wie neuen Fans ein gänzlich frisches Erlebnis. Trotz ihres energiegeladenen Sets war Paris Texas nur der Auftakt zu einer Hochoktan-Nacht.

Schließlich wird das Saallicht gedimmt, auf dem LED-Screen erscheinen die Leitsprüche von DON’T TAP THE GLASS, und die ersten Sekunden von „Big Poe“ hallen durch das gesamte Coliseum. In einem komplett gelben Look – vom GOLF le FLEUR* PETALERS-Cap bis zur geknöpften Lederjacke samt passender Hose – hat Tyler sofort die Bühne im Griff. Anschließend legt er mit seinem aufstrebenden Hit „SUGAR ON MY TONGUE“ nach und verwandelt die Stimmung von brachial zu verführerisch.

Als Tyler das ausverkaufte Coliseum zum ersten Mal anspricht, sprudelt zuerst pure Dankbarkeit aus ihm heraus. Er erzählt, dass selbst er kaum fassen kann, dass dieser gemeinsame Moment damit begann, dass er in seinem Schlafzimmer Musik machte. Es habe zwar gedauert, sagt er, aber nun stehe er endlich in Manila – und das Publikum könnte nicht glücklicher sein.

Dann tauchte er in CHROMAKOPIA mit „St. Chroma“, „Rah Tah Tah“, „Noid“, „Darling, I“ und „Sticky“ und jagte einen endlosen Adrenalinschub durch die Arena, bevor er mit „Take Your Mask Off“ das Tempo herunterfuhr. Von hier an serviert Tyler seinen langjährigen Fans reichlich Futter: IGOR -Songs wie das ikonische „EARFQUAKE“ und „ARE WE STILL FRIENDS?“, GOBLIN sowie WOLF Klassikern wie „She“, „Tamale“ und „IFHY“ sowie den CALL ME IF YOU GET LOST Tracks „LUMBERJACK“, „DOGTOOTH“, „WUSYANAME“ und „SORRY NOT SORRY“. Dabei ließ er das Publikum kurzerhand den Gesang übernehmen – und Manila meisterte die Aufgabe mit Bravour. An den Rändern formten sich sogar Moshpits – eine natürliche Begleiterscheinung der elektrisierenden Stimmung.

 

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Eine verkürzte Version des von A$AP Rocky gefeatureten Flower Boy Track „Who Dat Boy“ belebte die Menge aufs Neue, nur um unmittelbar darauf von der emotionalen Wucht von „Like Him“ überrollt zu werden. Manila tauchte kopfüber in die Schwere des CHROMAKOPIA -Tracks und sang jede Zeile seiner eindringlichen Story mit. Falls es noch eines Beweises bedurft hätte: „Like Him“ und die übrige, die gesamte Karriere überspannende Setlist lieferten ihn – sie zeigten eindrucksvoll Tylers Entwicklung von der reinen Schockwirkung seiner frühen Werke bis zur heute gelebten Verletzlichkeit.

Zum Finale gab es den Fan-Liebling „See You Again“ – den das Manila-Publikum erneut fehlerlos übernahm – gefolgt von „NEW MAGIC WAND“ und schließlich „I Hope You Find Your Way Home“. Im blauen Spotlight fuhr Tyler die Energie auf eine fast hoffnungsvolle Note herunter, verbeugte sich dankbar und verließ die Bühne, um für eine Zugabe von „Sugar On My Tongue“ zurückzukehren. In einem letzten Call-and-Response bei einer A-cappella-Passage kosteten sowohl Tyler als auch die Fans diesen finalen Energietausch aus – ein kollektiver Rausch, mit dem die Nacht endete.

Früher am Abend neckte Tyler das Publikum in Manila damit, wie besonders sie sich fühlen dürften, als letzte Station seiner monatelangen Tour. Wir würden lügen, würden wir dem nicht zustimmen. Sollte er sein Wort halten und eine Pause einlegen, hat er sie sich mehr als verdient. Wir sind einfach unendlich dankbar, dass er endlich vorbeigeschaut hat.

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