SEMA Show: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Autokultur

Wir haben uns mit drei Generationen von SEMA-Besucher:innen zusammengesetzt, um herauszufinden, wie sich die Show verändert hat – oder auch nicht.

Automobil
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Für viele bedeutet Autokultur den Austausch von Wissen und Know-how – oder den Zusammenhalt und die Unterstützung unter Enthusiast:innen. Manche sehen in der Autokultur eine Quelle der Inspiration. Andere nutzen sie schlicht, um seltene, begehrte Teile aufzutreiben. Wie auch immer man Autokultur definiert: Eines ist sicher – SEMA fördert sie seit Jahrzehnten.

Seit 1963 steht SEMA – die Abkürzung für die Specialty Equipment Marketing Association – an der Spitze von Autokultur und Community und veranstaltet riesige Treffen, bei denen sich Auto-Enthusiast:innen, Produktentwickler:innen, Servicetechniker:innen und viele andere vernetzen und zusammenarbeiten. Kürzlich hat die Show sogar die Öffentlichkeit eingeladen und bietet seither auch Eintritt für Branchenfremde. Der Schritt zahlt sich aus: Die SEMA Show wächst Jahr für Jahr.

Doch bei all den Jahrzehnten und strategischen Kurswechseln: Wie hat sich SEMA über die Zeit verändert? Ist sie noch immer das fokussierte „Mekka“ der Modifikation – oder hat sie den Faden verloren?

Für die diesjährige Berichterstattung haben wir mit drei unterschiedlichen Generationen von SEMA-Besucher:innen gesprochen. RJ de Vera – Vice President of Marketing der Organisation – sprach über die aktuelle Ausrichtung von SEMA und darüber, wofür die Show steht. Stan Chen vertritt Toyo Tires, eine Powerhouse-Marke, die seit fast 40 Jahren auf der SEMA ausstellt und historischen Kontext geben kann. Und zuletzt sprachen wir mit Schauspieler und Besucher Michael Cimino (Motorheads, Annabelle Comes Home) – um zu verstehen, wie eine neue Generation von SEMA-Gästen die Show sieht.

Nach Gesprächen mit drei Generationen von SEMA-Besucher:innen wird klar: Einiges hat sich verändert, doch insgesamt bleibt die Show ein Eckpfeiler der Autokultur und Community in den Vereinigten Staaten.

RJ de Vera, VP of Marketing, SEMA

Erzähl uns etwas über dich und deine Rolle bei SEMA.

Mein Team und ich sind maßgeblich daran beteiligt, die SEMA Show zum Leben zu erwecken – und zugleich die Menschen hierher zu holen. Mein Team ist die Marketingabteilung – mit den Bereichen Marketing, PR und Kommunikation.

Die SEMA Show ist seit 1963 ein fester Bestandteil der Automobilszene und -kultur. Wie konnte sie dieses Momentum so lange halten?

Das ist unsere 58. SEMA Show – die 60-Jahres-Marke ist in Sicht. Das Momentum hält, weil sie ein Spiegel der Kultur und des Hobbys ist. Und während sich Kultur und Hobby weiterentwickeln, entwickelt sich auch die Show – das beherrscht sie sehr gut. Angefangen hat alles mit einigen Hersteller:innen, die sich zusammenschlossen und einen Verband gründeten, um eine stärkere Stimme zu haben. So begann es wirklich – großartig zu sehen, denn die Kultur treibt die Industrie an. Und damit auch die Show.

Hat sich SEMA im Laufe der Jahre verändert?

Vieles davon hängt unmittelbar mit der Kultur zusammen – damit, wie sie sich verändert hat und wie unterschiedliche Formen von Modifikation und Personalisierung populär wurden. Oft entstehen Trends nicht auf der SEMA, aber sie bekommen dort ihre Bühne. Ein großer Teil der Veränderung der Show speist sich aus diesen frühen Trends, die auf der SEMA erkannt werden. Dann wird die Show zur Plattform, auf der sie wachsen und noch größer werden.

Aus Insider-Perspektive: Was sollen Besucher:innen – Aussteller wie Gäste – von der SEMA mitnehmen?

Unser Ziel und unsere Mission als Verband ist es, den Erfolg des Aftermarkets zu fördern. Unsere Hoffnung: Die SEMA Show dient als Plattform – ob für Unternehmen, deren Inhaber:innen oder Einzelpersonen.

SEMA ist im Kern eine Plattform – und wie sie genutzt wird, bestimmen die Menschen selbst. Eine Plattform, um neue Distributionskanäle zu finden; um ein neues Produkt zu launchen; um internationale Partner an einen Tisch zu bringen; um den eigenen Build zu zeigen und zu promoten. Für uns liegt es bei Besucher:innen und Aussteller:innen, sie genau dafür zu nutzen, was sie brauchen.

Wie unterstützt SEMA aus deiner Sicht die Autokultur?

Wir haben viel über die politische Interessenvertretung gesprochen – darauf setzen wir stark. SEMA war eine der treibenden Kräfte hinter der Rücknahme einer drohenden E-Auto-Pflicht und setzt sich dafür ein, dass Verbraucher:innen eine Wahl haben. Ein weiteres zentrales Thema ist aktuell das Eintreten für das Recht auf Modifikation und das Recht auf Reparatur. Wir fürchten, dass uns dieses Recht irgendwann genommen werden könnte – was der gesamten Branche den Garaus machen würde.

Außerdem unterstützen wir Unternehmen bei Produktentwicklung und Vertrieb – ob mit Business-Angeboten, Weiterbildung oder persönlicher Entwicklung. Als Non-Profit fließt das Geld zurück in die Branche: Wir schaffen Programme, die ihr weiteres Wachstum und Gedeihen sichern. Ich bin überzeugt, dass das, was wir tun, diese geliebte Industrie schützt.

„[SEMA ist] ein Spiegel der Kultur und des Hobbys. Und während sich Kultur und Hobby weiterentwickeln, entwickelt sich auch die Show – und das macht die Show sehr gut. … Es ist großartig zu sehen, denn die Industrie wird von der Kultur angetrieben. Und damit auch die Show.“ – RJ De Vera

Wohin entwickelt sich die Autokultur? Was wird sich in den nächsten xx Jahren bei Autos, Besitzer:innen, Umbauten, im Automotive-Aftermarket etc. verändern?

Mit jeder neuen Generation wächst das Interesse – Menschen nehmen Impulse auf, verzweigen sich, entwickeln sich weiter, und es entstehen immer mehr Subsegmente … was ich großartig für die Kultur finde, weil sie sich dadurch immer weiter ausdehnt, ausdehnt, ausdehnt.

Ich habe das Auf und Ab der Autokultur erlebt; sie ebbt und flutet. Die Rezession zum Beispiel war eine Zeit, in der Autokultur nicht so heiß war, weil den Leuten das Geld für das, was sie lieben, fehlte. Aber dann ging es wieder nach oben, oder? Und seither wird sie jedes Mal noch größer.

Das Tolle an dieser Kultur und Branche: Sie ist extrem widerstandsfähig – Menschen lieben es, Dinge zu personalisieren und zu ihrem eigenen zu machen. Daran wird sich, glaube ich, nie etwas ändern.

Stan Chen, Senior Manager Events, Sponsorships & Motorsports, Toyo Tires

Was ist der Toyo Treadpass? Führe uns durch den Stand – was wollt ihr damit erreichen?

Der Toyo Tires Treadpass ist eine Leuchtturm-Aktivierung auf der SEMA, der weltweit größten Messe für den Automotive-Aftermarket. Unsere Aktivierung bietet talentierten Builder:innen eine Bühne, ihre Arbeit und Kreativität vor der Branche zu zeigen.

Jedes Jahr präsentiert der Treadpass eine kuratierte Auswahl individueller Fahrzeug-Umbauten, die auf der SEMA ihre Weltpremiere feiern. In diesem Jahr umfasst das Line-up 26 einzigartige Umbauten, vom individuell aufgebauten 2013er Porsche 911 Carrera von Indecent mit Sneaker-Design-Anleihen, inspiriert von den Nike SB Green Lobster Dunks, bis hin zu einem 1968er Chevrolet Camaro vom Lost Angels Career Center, gebaut von den Schüler:innen. Der Treadpass steht für pure Crossover-Energie.

Wie lange stellst du – und Toyo – schon auf der SEMA aus?

Toyo Tires ist seit 40 Jahren stolzes SEMA-Mitglied, und in diesem Jahr geht der Toyo Tires Treadpass in seine 12. Ausgabe.

Was zieht eine Marke wie Toyo zur SEMA? Und wie zahlt das auf Marketing und Business der Marke ein?

SEMA ist der Ort, an dem die globale Autoszene den Ton für das Morgen setzt. Für Toyo Tires ist sie die Bühne, um Next-Gen-Design und grenzensprengende Builds zu zeigen – und dabei Momente zu schaffen, die Medien, Branche und Enthusiast:innen gleichermaßen fesseln. Toyos konstante Präsenz auf der SEMA unterstreicht die tiefen Wurzeln in der Autokultur und den unbedingten Innovationsdrang.

„Autokultur hat sich mit jeder Generation weiterentwickelt – und was wir jetzt sehen, ist ein Shift hin zu Storytelling und Selbstausdruck durch mehr autoaffine Content-Creator. Es wird zu einer kreativen Bühne, die ein breiteres Publikum erreicht. Das ist gesund für die Industrie und für die Kultur.“ – Stan Chen

Hat sich diese Antwort über die Jahre verändert? Hatte Toyo zu Beginn der Messeauftritte einen anderen Zweck oder eine andere Motivation?

Der erste SEMA-Auftritt von Toyo Tires sah ganz anders aus: weniger Fläche, weniger Augen auf dem Stand, weniger Fahrzeuge – aber die Mission war dieselbe. Von Tag eins an ging es Toyo darum, neue Profile, Setups und Ideen zu pushen, die die Autokultur voranbringen. Ob Street-Builds oder Offroad-Rigs – dieses Commitment zur Szene ist über die Jahre nur gewachsen.

Was hältst du von der neuen Generation, die nachrückt – und ihrem Zugang zur SEMA und zur Autokultur?

Autokultur hat sich mit jeder Generation gewandelt, und aktuell sehen wir einen Shift hin zu Storytelling und Selbstausdruck mit mehr autoaffinen Content-Creator. Die Jüngeren machen aus der SEMA mehr als nur eine Fachmesse – sie wird zur kreativen Bühne, die ein breiteres Publikum verbindet. Das ist gesund für Industrie und Kultur.

Wie würdest du sagen, unterstützt SEMA die Autokultur?

Für uns ist SEMA mehr als eine Fachmesse – es ist ein Fest der Automobilbranche. Hier treffen wir direkt die Builder, Marken und Enthusiast:innen, die die Kultur vorantreiben, und zeigen, wie unsere Produkte und Partnerschaften Teil dieser Bewegung sind.

Wohin geht die Reise der Autokultur? Was wird sich in den nächsten xx Jahren bei Autos, Besitzer:innen, Umbauten und im Automotive-Aftermarket verändern?

Autokultur expandiert in alle Richtungen. Wir erleben, wie Enthusiast:innen Design, Performance und Nachhaltigkeit auf neue Weise verbinden. Die nächsten Jahre bringen mehr Kollaborationen zwischen Marken, Buildern und sogar Branchen außerhalb des Automotive-Sektors. Bei Toyo sehen wir darin die Chance, weiterhin Produkte und Erlebnisse zu schaffen, die Menschen inspirieren – beim Bauen, Fahren und beim Ausdruck ihrer Leidenschaft für Autos.

Michael Cimino, Schauspieler, Motorheads

Wie bist du zur Automobilwelt gekommen?

Ich bin bei Autos und Racing gelandet, weil viele in meiner Familie immer schon dafür brannten. Meine Onkel haben früher in New York City Drag Racing gemacht; mein Großvater hat Autos und Motoren wieder aufgebaut; und mein Dad [und ich] haben Forza, Need for Speed. So bin ich da irgendwie reingerutscht.

Wie hast du von SEMA erfahren?

Ich glaube, das erste Mal habe ich von SEMA über YouTube gehört – oder über Freund:innen. Ich bin in Las Vegas aufgewachsen, deshalb war SEMA für mich immer das Coolste überhaupt, weil sie für mich der Gipfel der Automobilindustrie war. Schon vor über zehn Jahren wollte ich unbedingt hin, sehen, was abgeht, und mich auf ernsthafte Weise einbringen.

Wie siehst du Autokultur – was ist deine Vision davon?

Der größte Teil von Autokultur ist für mich die Idee, sich in Form eines Autos selbst zu repräsentieren. Es ist Ausdruck von Kreativität – etwas so Einzigartiges zu erschaffen, dass es deinen Stempel trägt, wie ein modisches Statement.

Vielleicht hast du Teile Secondhand geshoppt und ein paar teurere Pieces dazu – am Ende setzt du alles zusammen und das bist du. Das ist deine Visitenkarte an die Welt. Mit Autos ist es genauso: Sie sind dein Abbild nach außen. Ich liebe diesen kreativen Ausdruck – gerade über dieses Medium.

Welches Auto repräsentiert dich am ehesten?

Ich habe eine kleine Sammlung, so um die 11 Autos. [Als Erstes fällt mir] wohl mein Toyota ein – ein JZX100 [Mark II]. Ich liebe dieses Auto, Mann. Er hat kein Angle-Kit fürs Driften oder so, aber ein geschweißtes Diff und ein Gewindefahrwerk. Das Ding geht richtig gut.

„Ich glaube, immer wenn man viele Leute in einem Raum zusammenbringt, die alle in derselben Branche und im selben Space sind und kreativ arbeiten, kommt etwas Gutes dabei heraus. Dass [SEMA] diesen Raum bietet, ist unbezahlbar.“ – Michael Cimino

Was möchtest du aus deiner Erfahrung auf der SEMA mitnehmen?

Ich möchte durch die SEMA noch stärker in die Autokultur eintauchen und mehr Creator aus dem Auto-Space treffen – einfach tiefer rein. Ein großes Ziel ist für mich definitiv, die Lücke zwischen Menschen, die Autos nicht verstehen, und denen, die es tun, zu überbrücken. Diese Kultur ist mir extrem wichtig, sie hat mein Leben maßgeblich geprägt – und ich möchte sie dem Rest der Welt näherbringen.

Wie, findest du, unterstützt SEMA die Autokultur?

SEMA unterstützt die Autokultur, indem sie einen Raum schafft, in dem Menschen zusammenkommen und kollaborieren können. Immer wenn viele Leute aus derselben Branche und demselben Space – alle kreativ – in einem Raum sind, entsteht etwas Gutes. Ob neue Produkte oder neue Wege, die Industrie voranzubringen – das ist enorm wichtig. Und einen Raum dafür zu hosten, ist unbezahlbar.

Wohin entwickelt sich die Autokultur? Was wird sich in den nächsten xx Jahren bei Autos, Besitzer:innen, Umbauten, im Automotive-Aftermarket usw. verändern?

Autokultur ist [durch Social Media] extrem zugänglich geworden. Alles, was du lernen willst, kannst du mit einem YouTube-Video herausfinden – YouTube Academy! Künftig geht es darum, das Bewusstsein für Autokultur auch außerhalb der ohnehin Autobegeisterten zu schärfen. Wie holen wir Menschen ab, die nicht in Autos sind – und begeistern sie dafür? An dieser Antwort arbeite ich.

Ich glaube nicht, dass Autokultur aussterben wird – sie wird vielmehr eine neue Form annehmen und explodieren, solange wir viele neue Menschen dafür begeistern. Genau das ermöglicht SEMA: eine große Plattform, auf der man sich trifft und kollaboriert – und von der aus Dinge in die Welt getragen werden.

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