Jon Rafmans „Nine Eyes of Google Street View“ zieht ins Museum ein
Das wegweisende Projekt steht in „Report a concert – The Nine Eyes Archives“ im Mittelpunkt – jetzt im Louisiana Museum of Modern Art zu sehen.
Zusammenfassung
- Jon Rafmans „Nine Eyes of Google Street View“ rückt ins Zentrum von Report a concert – The Nine Eyes Archives, jetzt im Louisiana Museum of Modern Art zu sehen
- Die Ausstellung präsentiert Originalbilder aus dem fortlaufenden Projekt „Nine Eyes“ sowie einen Film und ein neues KI‑Werk auf Basis der Serie
Als Google 2007 seine Flotte kamerabestückter Street‑View‑Autos auf die Straßen schickte, entstand unbeabsichtigt eine neue Art des Sehens – ein endloser, automatisierter Blick, der die seltsamen, skurrilen, poetischen und bisweilen brutalen Momente des Lebens einfing, während sie sich abspielten. Es ist ein Blick, dem Schönheit und Moral gleichgültig sind, der den kanadischen Künstler Jon Rafman fesselte.
2008 begann Rafman, ein eigenes Archiv ungewöhnlicher Aufnahmen anzulegen – daraus erwuchs „Nine Eyes of Google Street View“, ein Schritt, der später zu einem der prägenden Werke der Digitalkunstgeschichte werden sollte und der die Grundlage für Überwachungs- und algorithmische Ästhetik legte, wie wir sie heute kennen.
Jetzt erhält die wegweisende, fortlaufende Serie erstmals eine umfassende Museumsschau. Realisiert im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark, Report a concert – The Nine Eyes Archives beleuchtet die Wirkung von Rafmans bahnbrechendem Projekt und zeichnet ihre Spuren bis in unsere aktuelle technologische (und geografische) Landschaft nach.
Die Ausstellung versammelt 50 großformatige Street‑View‑Bilder in immersiven, szenografischen Installationen, ergänzt um ein Archiv mit 320 Werken und den Film von 2010, „YOU, THE WORLD AND I“ – eine Geschichte verlorener Liebe, gefilmt mit Google Street View und Google Earth. Ebenfalls zu sehen ist ein neues, unbetiteltes Werk, das KI‑animierte Bilder aus den Nine‑Eyes‑Archiven zeigt und Rafmans fortlaufende Erforschung des Lebens in einer postfaktischen Welt weiterführt.
„Da sind die Glitches in der Technologie, die auf die Künstlichkeit von Street View verweisen – der glückliche Zufall des Fehlers, der etwas Schönes entstehen lässt“, so Rafman. „Und dann ist da das düstere, noirhafte Straßenleben – der Mann mit der Waffe, die Prostituierte, die Betrunkenen, die zwielichtige Unterwelt. Da ist das Romantische, das Surreale, das Abjekte, das Schöne – all die unterschiedlichen Pole der Existenz.“
Report a concert – The Nine Eyes Archives ist bis zum 11. Januar 2026 in Humlebæk, Dänemark, zu sehen.
Louisiana Museum of Modern Art
Gl Strandvej 13,
3050 Humlebæk, Dänemark



















